07.05.2012

Glücklos mit Gesnerien? Streptocarpus, Usambaraveilchen und Chirita vermehren


Weder Kaktus noch Sukkulente aber trotzdem Lieblinge von mir sind Gesnerien. Das kommt daher, dass ich auch ein paar dunklere Ecken am Fenster habe, wo für andere Zimmerpflanzen das Licht zu spärlich ist. Saintpaulia (besser bekannt als Usambaraveilchen) und Chirita scheinen sich dort aber sehr wohl zu fühlen und leisten meinen Kakteen Gesellschaft.

Erstaunlich glücklos war ich bislang leider bei der Vermehrung von Saintpaulias und Chiritas durch Blattstecklinge. Bei allem was ich bis jetzt ausgesät und gepflanzt habe, lief es super, ich hatte eher eine Jungpflanzenschwemme. Aber Stecklingsvermehrung von Usambaraveilchen, was eigentlich sonst jeder Hobbygärtner hin kriegt und was wir als Kinder sogar schon in der Grundschule gemacht haben, will mir zur Zeit einfach nicht gelingen. Das ist etwas, das man sich unter Pflanzenfreunden ja kaum laut zu sagen traut, da schlägt jeder die Hände über den Kopf zusammen und sagt "waaas, da musst Du doch einfach nur ein Blatt in die Erde stecken!". Ja, genau. Einfach. Nur. Soviel zur Theorie.

Bei manchen mag das so klappen. Bei mir bisher nicht. Ich oute mich hiermit als Gesnerienmörderin. Von bislang einigen Versuchsreihen habe ich sicher im Schnitt 20 Stecklinge gekillt und nur 2 Pflanzen sind angegangen, die entwickeln sich sehr langsam. Ich glaube aber, mit Fug und Recht behaupten zu können, alle Fehler, die man dabei machen kann, habe ich jetzt einmal gemacht. Mal sind die Steckis verfault, mal vertrocknet, mal hab ich das Substrat zu nass gemacht, mal zu trocken, mal waren die Blattstiele zu lang, mal nicht lang genug. Auf jeden Fall lief immer etwas schief, Fred Zimt sagt schon ich verbreite mieses Stecklingskarma. Aber wie gesagt, die möglichen Fehler hab ich jetzt wohl (hoffentlich!) alle durch. Dabei habe ich folgendes raus gefunden:
  • Je lockerer das Substrat, desto besser: also Perlite als Mittel der Wahl
  • Substrat anfeuchten, aber nicht zu nass machen. Das Substrat sollte sich noch locker anfühlen, wenn man mit der Hand durchfährt und unter dem Perlite darf kein Wasser stehen. Klingt banal, aber die richtige Feuchtigkeitsmenge zu finden, fand ich persönlich am Schwierigsten.
  • Bei Saintpaulia und Chirita die Stiele etwas einkürzen, aber noch ca 2 cm Stiel stehen lassen.
    Hohe Luftfeuchtigkeit muss her, bei ausreichender Luftzirlukation, also sollte man kleine Anzuchtgefäße ab und an lüften. Kondenswasser, das aufs Blatt tropft, schadet der Entwicklung, dann stehen die Stecklinge zu nass.
  • Geduld haben, manche Stecklinge brauchen nur 2 Wochen, manche 4, bis sich Wurzeln bilden
  • Nicht zu schnell austopfen, erst wenn wirklich genug Wurzeln vorhanden sind, aus dem Perlite nehmen.
Jetzt will ich die Erkenntnisse umsetzen, Zeit für einen neuen Versuch, diesmal Streptocarpus-Vermehrung:

Mein nächstes Experiment zur Gesnerienvermehrung sind Streptocarpus- Stecklinge, eigens auf Ebay geordert. Da soll ja sogar ein einzelner Blattabschnitt in kürzester Zeit neue Pflänzchen ergeben. Ich versuche es diesmal mit reinem Perlite als Substrat, weil das bei den Usambaraveilchen noch am Besten geklappt hat, und probiere 2 Möglichkeiten aus, bei denen die Streptocarpus Blätter zerschnitten werden. Ganz wohl ist mir zwar nicht dabei, die Ableger zusammenzuschnippeln, aber die Meister der Gesnerienvermehrung sagen, das gehört so und dass man so die besten Ergebnisse erzielt. Also mutig das Messer gewetzt, ich spüle es vorher heiß ab, damit es einigermaßen steril ist.

Methode 1( Streptocarpus Ruby): das Streptocarpus Blatt quer in einzelne Abschnitte zerschneiden und die Abschnitte ins feuchte Substrat stecken (wichtig ist dabei, dass das richtige Ende entsprechend der Wuchsrichtung des Blattes nach Oben zeigt, auch beim Mittelstück!). Dabei sollen schon nach 2 Wochen erste Wuzeln entstehen.



Methode 2 ( Streptocarpus Gwen): Ich entferne die mittlere Blattader mit 2 beherzten Schnitten von chirurgischer Präzision und stecke die beiden Blatthälften ins Perlit.Wichtig dabei ist, die Blattader nicht mittig durchzuschneiden, sondern sie wirklich rechts und links von den Blatthälften zu entfernen. Ich komme mir ein bisschen mutig vor, weil man bei dieser Methode wohl besonders auf Fäulnisgefahr achten muss, aber sie soll auch die meisten Ableger produzieren. Wer nicht wagt...


Methode 3 (Streptocarpus Charlotte): Die mögliche Variante 3, das ganze Blatt in feuches Perlite zu stecken, erscheint mir zwar sicherer, aber auch weniger attraktiv, da man dabei maximal eine Pflanze anziehen kann, während die anderen beiden Methoden viele, viele, geradezu unzählige Ableger produzieren sollen. Der Vollständigkeit halber versuche ich es trotzdem.



Jetzt also die Käseglocke drüber für nötige Luftfeuchtigkeit und Daumen drücken.... Ob mich bald eine Streptocarpus Schwemme erwartet?
Die drei Methoden zur Vermehrung habe ich übrigens von der Gärtnerei Dibleys, die sich auf Gesnerien spezialisiert hat und regelmäßig Preise bei der Chelsea Flower Show abräumt. Ich weiß schon, wo ich vorbei schauen werde, wenn ich das nächste Mal in Wales bin....

2 Wochen später: 
Methode 1, Blattabschnitte quer: Die quer zerteilten Blattabschnitte bekommen erste Wurzeln aus der Blatt-Mittelrippe. Hurra!

Methode 2( Blattabschnitte längs, Mittelrippe entfernt): Die Blattabschnitte stehen unverändert da, bislang keine Wurzeln. So langsam frage ich mich, ob es wirklich eine gute Idee war, die Mittelrippe zu entfernen.

Methode 3 ( ganzes Blatt ins Perlite): Aus der Mittelrippe ist ein richtiger kleiner Wurzelballen emtstanden, das Blatt sieht super aus und kann bald in richtiges Substrat. Der Überraschungssieger der drei Methoden, was Geschwindigkeit der Wurzelbildung angeht.

Insgesamt scheinen Streptocarpus - Stecklinge sehr viel weniger anfällig für Fäulnis zu sein als Chirita und Saintpaulia Stecklinge, damit gab es diesmal keine Probleme. Das miese Gesnerien-Stecklingskarma scheint abgewendet!

Update (01.06): Inzwischen haben alle Stecklinge Wurzeln bekommen.
Methode 1 (Blattabschnitte quer): an 2 von 5 Stecklingen Blattaustrieb, ca 3 mm.
Methode 2 (Blattabschnitte längs) Es zeigen sich viele, winzigkleine neue Blätter längs der Schnittkante.
Methode 3 ( ganzes Blatt) : Der Steckling ist am Besten bewurzelt, zeigt aber noch keinen Austrieb.

Update ( 01.08)
Methode 1 (Blattabschnitte quer) : 3 von 5 sind weg gefault, die restlichen 2 haben kleine Blätter
Methode 2 (Blattabschnitte längs): sehr viele Mini-Jungpflanzen (ca 20 Stück, je1-3 mm), entwickeln sich sehr langsam.
Methode 3 ( ganzes Blatt) : 2 große stabile Jungpflanzen ( mehrere 3-4 cm lange Blätter) abgetrennt, bewurzeltes Blatt wieder eingepflanzt in Hoffnung auf weitern Nachwuchs.


Fazit: Wer keine Streptocarpus- Zucht aufmachen möchte sondern einfach ein paar große schöne Jungpflanzen anziehen möchte, ist mit der Methode "ganzes Blatt" gut bedient. Bei den anderen bekommt man zwar viele, dafür schwächere Jungpflanzen. Die Methode "Blattabschnitte quer" sah anfangs von Bewurzlung gut aus, zeigt aber bei den Jungpflanzen nur geringes Wachstum und eine hohe Ausfallquote.

P.S: Gerade habe ich noch diesen tollen Gesnerienblog entdeckt. Wer sich für das Thema interessiert, oder einfach ein paar schöne Blüten-Bilder anschauen will, wird hier fündig.

Kommentare:

  1. Eventually you'll run out of problems and then it'll work great.
    Best regards from Cinnamon Hill.

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  2. Wow, Cinnamon Hill, Jamaica? I had no idea I had readers that far away, what a pleasure :) Thanks for the support, that's my hope too. The current propagation experiments seem to work just fine.

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  3. Hi,

    bei den Usambaras ist mir aufgefallen dass es auch auf die Pflanze selbst ankommt ob das Blatt Wurzeln macht oder nicht. Manche (auch no-name-Hybriden) lassen sich nur schwer bewurzeln, anderen kann man dabei zusehen. Mein Substrat war ganz normale Anzuchterde. Bei mir sind von ca 30 Blättern nur 17 Pflanzen gewachsen. Die meisten davon sind Hybriden aus Shops, nur drei sind von meinen Discounter-Veilchen.
    Nimm es also nicht so ganz persönlich wenn nix dabei rauskommt, versuch es mit anderen Pflanzen ;).

    Liebe Grüße aus Österreich :)

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  4. Na, hat sich schon was getan?
    Nach drei Wochen könnten ja schon Wurzeln da sein.
    Ganz gespannt....
    Grüße vom Waldrand :o)

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  5. Haha, inzwischen sogar schon Blätter. an allen dreien. Siehe letztes Update. Dem Waldrand bin ich generell sehr zugeneigt.

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