21.06.2012

Cactus Practice on Tour: heimische Sukkulenten in der Pfalz


Im Sommer, wenn das Wetter sich wieder auf der sonnigen Seite zeigt, gibt es oft so viele Ausflugsziele und blühende Kakteengärten zu entdecken und nicht zuletzt eigene Gärten zu pflegen, dass das Bloggen manchmal ein wenig ins Hintertreffen gerät. Deshalb hat sich in den letzten Wochen so einiges angesammelt, von dem ich Euch gerne erzählen wollte. Die Pause hat sich aber gelohnt, ich habe unterwegs viele schöne neue Pflanzen und Orte kennen gelernt.

 Vor einigen Wochen war ich in der sonnigen Pfalz, auf der Spur einheimischer Sukkulenten. Im Naturschutzgebiet Felsenberg zwischen Kallstadt und Herxheim gibt es nämlich die einzige Population von Sedum dasyphyllum nördlich der Alpen und westlich des Rheins, wie mich mein einheimischer Führer informiert.

 Zum Wiederbelebungsspaziergang nach dem Kallstadter Fest der 100 Weine (Nomen est omen) ziehen wir also aus, dieses kleine botanische Wunder zu suchen. Und tatsächlich erstaunt es mich gar nicht, dass diese Mittelmeerpflanze sich an diesem sonnigen Fleckchen an der Weinstraße sehr wohl zu fühlen scheint. Selbst für mich als sonnenverwöhnte Halbgriechin fühlt sich die Wanderung durch die Weinberge sehr südlich an.
Unterwegs finden wir einige schöne Pflanzen wie noch blühende Küchenschellen und Rosa arvensis.
Auch Sedum acre, der einheimischer Mauerpfeffer wächst auf den dortigen Trockenwiesen.Ich darf mal ein Blättchen probieren und bin erstaunt über den pfeffrigen Abgang im Aroma der Pflanze.


Die Inselpopulation Sedum dasyphyllum auf dem Felsenberg versteckt sich allerdings recht gut. Wir klettern eine ganz Weile in den Felsen rum - ich in ausgesprochen ungeeignetem Schuhwerk, ging ich doch nach drei Tagen an der Weinstraße fälschlicherweise davon aus "Die Pfalz ist flach". Da ich nicht genau weiß wie Sedum dasyphyllum aussieht, were ich bei jedem einheimischen Mauerpfeffer ganz aufgeregt.

Nach einer Weile finden wir in einer Felsspalte aber tatsächlich das gesuchte Gewächs:
Sedum dasyphyllum




In den dortigen Felsspalten hat es Sedum dasyphyllum besonders windgeschützt und schlängelt sich in großen Polstern die Felsen hoch. Die kleinen, dickblättrigen Rosetten sehen tatsächlich faszinierend aus und wirken wie ein südlicher Felsengarten. Das grauweiß erscheinende Sedum darsysphyllum wirkt bei naher Betrachtung wie von einem feinen, weißen Flaum überzogen, was der Pflanze ein sehr zartes Aussehen verleiht.

Zum Vergleich Sedum ---- Es ist etwas großblättriger in der Wuchsform und macht etwas längere Stengel.


Auf dem Nachhauseweg begegnet uns noch eine Weinbergschnecke, die es sich an einem Stück Holz aus einem alten Rebstock gemütlich gemacht hat. Auf Pfälzisch heißen die knarzigen Stöcke, die hier überall in den Weinbergen zu finden sind, Reeweknorze. Ein schönes Wort...


Alles in allem war es eine sehr schöne und sonnige botanische Miniexkursion durch Weinberge und felsige Nischen. Und auch die Nachwirkungen vom guten Kallstadter Wein hat der Ausflug zum Herxheimer Felsenberg aufs Angenehmste gemildert.


Wer Urlaub in und um Kallstadt und das Naturtzgebiet Felsenberg machen möchte, findet alle wichtigen Infos sowie Veranstaltungen und freie Zimmer hier: http://www.freinsheim.de/

Kommentare:

  1. Liebe Frau Practice,
    auf ihren wundervollen Photographien ist leider kein einziges Sedum album zu entdecken. Stattdessen findet sich das von ihnen korrekt bestimmte Sedum dasyphyllum, auf Bild 4 hingegen
    sieht man das graugrüne Sedum rupestre, auch als Tripmadam oder Felsen-Fetthenne bekannt sowie den Scharfen Mauerpfeffer Sedum acre.
    Letzteren haben Sie ja durch den Geschmackstest bereits bestimmt.
    Gewogene Grüße

    Erwin Schmetterblech

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    1. Hallo Herr Schmetterblech,
      für die inkorrekte Schreibweise entschuldige ich mich in aller Form, besten Dank für den Hinweis.

      Desweiteren hoffe ich, Sie genießen Ihr Wochenende. Wie ist das Wetter in Collina de Cannela dieser Tage?

      Beste Grüße
      Practice

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  2. www.herxheimamberg.de
    www.kallstadt.de/

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  3. Uffgebasst, ehr Schwobe un Grieche!

    Pälzisch ohne f,
    Reweknorze mit äm e

    Dunnerkeil,
    is dann des so schwer, hä?

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