11.03.2013

Tillandsia virescens: unerwarteter Nachwuchs!

Für Tillandsien habe ich eigentlich kein richtiges Händchen. Ich finde sie zwar schön, wenn ich sie in botanischen Gärten sehe, ich mag sie sehr gerne, aber mir gelingt es höchst selten, sie am Leben zu halten. Deshalb habe ich auch selbst keine. Aber wie's der Zufall will, nehme ich über den Winter immer die Tillandsia virescens eines (wie ich finde, in dieser Hinsicht sehr mutigen) Freundes in Pflege, weil seine Wohnung für die wärmeliebenden Pflanzen zu kalt wird. Letztes Jahr habe ich bei der Gelegenheit eine seiner Tillandsien vergessen und so um die Ecke gebracht. Ich hatte deshalb ein besonders schlechtes Gewissen, und habe mir vorgenommen: in diesem Winter machst Du alles besser.

Ich habe die kleine T. virescens, die mich in Wuchs und Aussehen fast ein bisschen an Lavendel (kopfüber) erinnert, vorschriftsmäßig einmal die Woche in zimmerwarmes Regenwasser getunkt, sie bekamen den sonnigsten Platz und wurde täglich angesprüht. Löwenzahnartige Samen habe ich zwar mal bemerkt, wollte aber eigentlich nicht aussäen, da ich schon gehört hatte, dass Tillandsien Aussaat recht schwierig sein kann und eine hohe Frustrationsrate verlangt. Tillandsien - Samen sind nur wenige Wochen keimfähig, das Zeitfenster zur erfolgreichen Aussaat ist ziemlich knapp - und wie gesagt, ich bin normalerweise froh, wenn ich Tillandsien nicht umbringe, Aussaat erschien mir ein gar zu sportliches Unterfangen.


Eines Tages habe ich an der kleinen Tillandsia virescens Blüten entdeckt, eigentlich erschnuppert. Die sind nämlich so winzig, dass sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind (das Foto li. ist durch eine Lupe mit 30 facher Vergrößerung geknipst). Sie verströmen aber einen betörenden Duft. Nach ein paar Wochen ging's weiter: dieselbe Pflanze bekam - wie ich dachte- überall kleine Neuaustriebe. Ich dachte noch, aha, so sehen die aus, wenn's ihnen gut geht, hatte wohl Glück und diesmal was besonders Pflegeleichtes erwischt.

Kurios und kuriöser geht die Geschichte weiter: was ich für Austrieb gehalten habe, hat sich als kleine Tillandsien - Sämlinge entpuppt! Bei der Tunkerei habe ich die Tillandsie mal ein paar Stunden im Regenwasser vergessen. Und zack ging es los mit der Keimerei. Ich fühle mich ein bisschen wie ein Tillandsien - Glücksschwein, nachdem ich gelesen habe, dass viele Leute versuchen, sie auszusäen ohne dass es gelingt.
15 Jungpflänzchen habe ich ganz vorsichtig und zärtlich aus der Mutterpflanze gezupft, jedes ca 2-3 mm lang. Das war fast schon ein Suchspiel, da die Kleinen sich ziemlich gut getarnt haben. Die Samenkapseln haben löwenzahnartige Fäden. Soweit ich beobachten konnte, halten sich die Sämlinge mit diesen Fäden fest, in diesem Fall eben an der Mama-Pflanze, in der Natur vermutlich dort, wohin der Wind sie gerade weht.


Ich habe mich kundig gemacht: erfahrene Tillandsienaussäer nehmen als Aussaatmedium einen Spülschwamm, der in eine offene Dose gepackt wird. (Ein Spülschwamm!? na, wenns funktioniert..:) Zu hohe Luftfeuchtigkeit mögen die Sämlinge scheinbar nicht, deshalb soll die Dose offen bleiben. Der Schwamm wird täglich ein bis zweimal angesprüht. Nachdem ich die ca. 15 Sämlinge auf den Schwamm  transferiert habe, bin ich noch übermütig geworden und habe die restlichen Samen einfach mal dazu gepappt. Mal schauen, wie das kleine Tillandsienwunder weiter geht....

Kommentare:

  1. Hallo

    Guter Bericht.

    Dann hoffe Ich für Euch , das ein gross Teil auch durch kommt.

    MfG

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  2. Finde ich sehr spannend. Bin gespannt, wie es hier weitergeht und hoffe in Zukunft noch mehr davon zu lesen.

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  3. Hallo Kamana,

    sehr gut beschrieben :-) dann wünsche ich dir viel Glück mit deiner "Baby" Aufzuchtstation und da du alle schön gross bekommst.

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